"Das Krokodil" schnappt nach Simbabwe – SPIEGEL ONLINE

Donnerstag, 16.11.2017   16:27 Uhr

Schlägt in Harare nach dem Militärputsch vom Mittwoch jetzt die große Stunde von Emmerson Mnangagwa?

Das ist aufgrund der undurchsichtigen Lage in Simabwe noch unklar – einen Tag nachdem das Militär in der Hauptstadt auffuhr und Diktator Robert Mugabe unter Hausarrest setzte. Doch der Name des Ex-Vize-Präsidenten fällt immer wieder, wenn es um die Nachfolge des altersschwachen Despoten geht.

Mnangagwa hat einen guten Draht in die Armee, es gilt als gut möglich, dass der Putsch in seinem Namen angezettelt wurde. Klar ist: Mugabes Ex-Vize Mnangagwa ist in seinem Land gefürchtet. Denn über Jahrzehnte war er Mugabes Mann fürs Gröbste.

Als der spätere Diktator Mugabe Anfang der Achtzigerjahre noch als hoffnungsvoller Revolutionsführer des von Kolonialisten befreiten Simbabwe galt, organisierte Emmerson Mnangagwa für seinen Chef bereits insgeheim die staatliche Repression, auf der Mugabes jahrzehntelange Gewaltherrschaft fußen sollten.

Auf Mnangagwas Initiative soll Gukurahundi zurückgehen – ein Massaker an mindestens 20.000 Zivilisten in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit von Großbritannien. Und wann immer es nötig war, hielt er Mugabe auch danach den Rücken frei.

Die Opposition unterdrückte Mnangagwa mal offen brutal, mal auf subtile Art: Im Jahr 2000, als Mugabe einmal mehr in seinem Land unter Druck geraten war, stoppte er als Parlamentspräsident einen Misstrauensantrag der Opposition. Er richtete eine Kommission ein, der Plan der Mugabegegner schlug fehl.

Als im gleiche Jahr bei der Parlamentswahl ein Kandidat der Opposition gegen Mnangagwa in dessen Wahlkreis antrat, und sich auch mit Zehntausenden Dollars nicht davon abbringen ließ, übergoss ihn ein Mob mit Benzin mutmaßlich in Mnangagwas Auftrag. Der Mann entkam mit Mühe und fand Schutz in einer ausländischen Botschaft, wie die “Neue Zürcher Zeitung” damals berichtete.

Mnangagwa war vieles, aber nie Hoffnungsträger

Etliche Posten in Mugabes Kabinett hatte Mnangagwa schon inne: Minister für National Sicherheit, politischer Vorsitzender des Militärs, Geheimdienstchef, Justiz- und Finanzminister sind nur einige seiner Funktionen. Die Repression unter Mugabe wurde meist von ihm geplant und orchestriert, seine Ruchlosigkeit brachte ihm den Beinahmen “das Krokodil” ein. Sollte er Staatschef werden, wird das unter ihm wohl kein Aufbruch in ein neues Simbabwe.

Noch Ende 2014 überraschte der damals 90-jährige Mugabe mit der – nicht verifizierten Aussage – jemand habe versucht, seinen Stellvertreter Mnangagwa zu vergiften. Schwierig wurde das Verhältnis der beiden mächtigen Partner erst durch die Ambitionen von Mugabes zweiter Ehefrau, Grace Mugabe.

Sie baut über Jahre ein neues Machtzentrum in der Partei auf, aus durchweg jüngeren Mitgliedern die sich gegen die alten Kämpfer stellten. “G40” hieß ihr Team, und der alte Mnangagwa, 71, gehörte nicht dazu.

Nach und nach entfernte der alte Diktator Parteimitglieder, die es sich mit seiner Frau Grace verscherzt hatten. Zuletzt sogar Joice Mujuru, ebenfalls eine alte Kämpferin aus dem Umfeld Mugabes und eine Zeitlang wie Mnangagwa als mögliche Nachfolgerin gehandelt.

Entscheidend könnte gewesen sein, dass es vor gut einem Jahr offenbar zu einem Treueschwur der alten Garde für Mnangagwa kam. Vier hochrangige Mitglieder der Staatspartei Zanu-PF-sagten ihm demnach zu, ihn bei seinem Weg an die Staatsspitze zu unterstützen.

Nachdem Mugabe nun in der vergangenen Woche Mnangagwa als Vizepräsident abberief und den bisherigen Parteichef auch noch aus der Zanu-PF verstieß, entschloss sich die alten Garde offenbar, ihren Schwur einzulösen.

Im Video: Diktator Mugabe im Portrait

Aus dem Ausland drohte erst Mnangagwa, die Partei sei nicht Mugabes Eigentum. Dann erklärte der oberste Militär, General Constantine Chiwenga, die “Säuberungen” in der Zanu-PF müssten aufhören, sonst werde die Armee einschreiten.

Der Putsch, den die Armee bislang dementiert, verlief bislang ohne größeres Blutvergießen. Weder die First Lady Grace Mugabe, noch der Diktator noch der mutmaßliche Mitputschist Mnangagwa haben sich bislang öffentlich geäußert. Selbst über den Aufenthaltsort der drei Hauptakteure gibt es unterschiedliche Angaben.

Denkbar, dass Mnangagwa in Harare einem Flugzeug entsteigt und sich zum Staatschef erklärt. Oder dass die Armee Mugabe zwingen will, selbst seinen Rücktritt zu erklären. Derzeit soll er sich in deren Händen befinden, unter Hausarrest.

Donnerstag, 16.11.2017   16:27 Uhr

Schlägt in Harare nach dem Militärputsch vom Mittwoch jetzt die große Stunde von Emmerson Mnangagwa?

Das ist aufgrund der undurchsichtigen Lage in Simabwe noch unklar – einen Tag nachdem das Militär in der Hauptstadt auffuhr und Diktator Robert Mugabe unter Hausarrest setzte. Doch der Name des Ex-Vize-Präsidenten fällt immer wieder, wenn es um die Nachfolge des altersschwachen Despoten geht.

Mnangagwa hat einen guten Draht in die Armee, es gilt als gut möglich, dass der Putsch in seinem Namen angezettelt wurde. Klar ist: Mugabes Ex-Vize Mnangagwa ist in seinem Land gefürchtet. Denn über Jahrzehnte war er Mugabes Mann fürs Gröbste.

Als der spätere Diktator Mugabe Anfang der Achtzigerjahre noch als hoffnungsvoller Revolutionsführer des von Kolonialisten befreiten Simbabwe galt, organisierte Emmerson Mnangagwa für seinen Chef bereits insgeheim die staatliche Repression, auf der Mugabes jahrzehntelange Gewaltherrschaft fußen sollten.

Auf Mnangagwas Initiative soll Gukurahundi zurückgehen – ein Massaker an mindestens 20.000 Zivilisten in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit von Großbritannien. Und wann immer es nötig war, hielt er Mugabe auch danach den Rücken frei.

Die Opposition unterdrückte Mnangagwa mal offen brutal, mal auf subtile Art: Im Jahr 2000, als Mugabe einmal mehr in seinem Land unter Druck geraten war, stoppte er als Parlamentspräsident einen Misstrauensantrag der Opposition. Er richtete eine Kommission ein, der Plan der Mugabegegner schlug fehl.

Als im gleiche Jahr bei der Parlamentswahl ein Kandidat der Opposition gegen Mnangagwa in dessen Wahlkreis antrat, und sich auch mit Zehntausenden Dollars nicht davon abbringen ließ, übergoss ihn ein Mob mit Benzin mutmaßlich in Mnangagwas Auftrag. Der Mann entkam mit Mühe und fand Schutz in einer ausländischen Botschaft, wie die “Neue Zürcher Zeitung” damals berichtete.

Mnangagwa war vieles, aber nie Hoffnungsträger

Etliche Posten in Mugabes Kabinett hatte Mnangagwa schon inne: Minister für National Sicherheit, politischer Vorsitzender des Militärs, Geheimdienstchef, Justiz- und Finanzminister sind nur einige seiner Funktionen. Die Repression unter Mugabe wurde meist von ihm geplant und orchestriert, seine Ruchlosigkeit brachte ihm den Beinahmen “das Krokodil” ein. Sollte er Staatschef werden, wird das unter ihm wohl kein Aufbruch in ein neues Simbabwe.

Noch Ende 2014 überraschte der damals 90-jährige Mugabe mit der – nicht verifizierten Aussage – jemand habe versucht, seinen Stellvertreter Mnangagwa zu vergiften. Schwierig wurde das Verhältnis der beiden mächtigen Partner erst durch die Ambitionen von Mugabes zweiter Ehefrau, Grace Mugabe.

Sie baut über Jahre ein neues Machtzentrum in der Partei auf, aus durchweg jüngeren Mitgliedern die sich gegen die alten Kämpfer stellten. “G40” hieß ihr Team, und der alte Mnangagwa, 71, gehörte nicht dazu.

Nach und nach entfernte der alte Diktator Parteimitglieder, die es sich mit seiner Frau Grace verscherzt hatten. Zuletzt sogar Joice Mujuru, ebenfalls eine alte Kämpferin aus dem Umfeld Mugabes und eine Zeitlang wie Mnangagwa als mögliche Nachfolgerin gehandelt.

Entscheidend könnte gewesen sein, dass es vor gut einem Jahr offenbar zu einem Treueschwur der alten Garde für Mnangagwa kam. Vier hochrangige Mitglieder der Staatspartei Zanu-PF-sagten ihm demnach zu, ihn bei seinem Weg an die Staatsspitze zu unterstützen.

Nachdem Mugabe nun in der vergangenen Woche Mnangagwa als Vizepräsident abberief und den bisherigen Parteichef auch noch aus der Zanu-PF verstieß, entschloss sich die alten Garde offenbar, ihren Schwur einzulösen.

Im Video: Diktator Mugabe im Portrait

Aus dem Ausland drohte erst Mnangagwa, die Partei sei nicht Mugabes Eigentum. Dann erklärte der oberste Militär, General Constantine Chiwenga, die “Säuberungen” in der Zanu-PF müssten aufhören, sonst werde die Armee einschreiten.

Der Putsch, den die Armee bislang dementiert, verlief bislang ohne größeres Blutvergießen. Weder die First Lady Grace Mugabe, noch der Diktator noch der mutmaßliche Mitputschist Mnangagwa haben sich bislang öffentlich geäußert. Selbst über den Aufenthaltsort der drei Hauptakteure gibt es unterschiedliche Angaben.

Denkbar, dass Mnangagwa in Harare einem Flugzeug entsteigt und sich zum Staatschef erklärt. Oder dass die Armee Mugabe zwingen will, selbst seinen Rücktritt zu erklären. Derzeit soll er sich in deren Händen befinden, unter Hausarrest.

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