Das «Krokodil» schnappt nach seinem Ziehvater – Neue Zürcher Zeitung

Der mutmassliche Anführer des Aufstands in Simbabwe, der abgesetzte Vizepräsident Emmerson Mnangagwa, steht nicht für Veränderung, sondern für schreckliche Kontinuität.

Fabian Urech 17.11.2017, 10:35 Uhr

Emmerson Mnangagwa (l.) bei der Vereidigung zum Vizepräsidenten in Harare 2014; neben ihm Präsident Robert Mugabe und First Lady Grace. (Bild: Philimon Bulawayo / Reuters)

Robert Mugabe war ein skrupelloser Politiker – gegenüber seinen Gegnern, aber kaum weniger gegenüber seinen Verbündeten. Nicht selten setzte der Präsident über Nacht und ohne Vorwarnung mehrere Kabinettsmitglieder ab, erst im Oktober stellte er zehn Minister auf die Strasse. Kleinste Zweifel an Eignung und Loyalität schienen zu genügen, um Mugabes Missmut auf sich zu ziehen. Während seiner fast vier Jahrzehnte andauernden Herrschaft dürfte der heute 93-Jährige weit über hundert Minister entlassen haben.

Mnangagwa soll zurück in Simbabwe sein

urf. Laut Medienberichten ist der unlängst abgesetzte Vizepräsident nach Simbabwe zurückgekehrt. Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Mnangagwas Umfeld, dass das «Krokodil» am Donnerstag nach Harare zurückgekehrt ist. Nach seiner Absetzung war Mnangagwa vor knapp zwei Wochen aus Simbabwe geflüchtet. Sein genauer Aufenthaltsort war bisher unbekannt, zahlreiche Beobachter waren aber davon ausgegangen, dass sich Mnangagwa im Nachbarstaat Südafrika aufhielt.

Zu einem aber hatte Mugabe stets gehalten und dieser zu ihm: Emmerson Mnangagwa. Der 75-Jährige hatte seit Mugabes Machtergreifung im Jahr 1980 fast ununterbrochen dem Kabinett angehört. Er hatte als Finanz-, Justiz- und Verteidigungsminister sowie als Vizepräsident zentrale Positionen im simbabwischen Machtapparat belegt. Vielen galt er als Mugabes Ziehsohn, der ihn dereinst ersetzen würde – bis zu seiner Absetzung vor zehn Tagen.

Ein Krokodil und «Gucci-Grace»: Die Hauptfiguren in Simbabwes «Soft-Putsch»

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Sylviane Chassot

Diesmal blieb Mugabes Wankelmut im Umgang mit seinen Getreuen nicht ohne Folgen. Mit Mnangagwa entfernte er allem Anschein nach einen Pfeiler seines Schreckensregimes zu viel. Inzwischen scheint hinlänglich klar, dass der abgesetzte Vizepräsident hinter dem Aufstand des Militärs steht und seinen langjährigen Ziehvater zu stürzen gewillt ist. Mnangagwa könnte vom Militär bereits in den nächsten Tagen zum Chef einer Übergangsregierung erklärt werden. Doch was würde es für Simbabwe bedeuten, wenn der greise Tyrann, der das Land mit eiserner Hand an den wirtschaftlichen Abgrund führte, nach vier Jahrzehnten durch einen Mann ersetzt würde, der ihm während all dieser Zeit loyal zur Seite stand?
Skrupellos und grausam
«Sollte Mnangagwa an die Macht gelangen, ist nicht damit zu rechnen, dass es eine wesentliche Abkehr von Mugabes Politik gibt», sagt der deutsche Simbabwe-Experte und Mugabe-Biograf Christoph Marx. Der in Essen lehrende Historiker sieht in Mnangagwa, der in Simbabwe unter dem Spitznamen «Krokodil» bekannt ist, einen gewieften Taktiker, hält ihn aber für skrupellos und grausam. Zwar präsentiert sich der ehemalige Vizepräsident der internationalen Gemeinschaft gerne im Gewand des Pragmatikers und Reformers und dürfte sich auch in der aktuellen Situation als Politiker des Wandels zu präsentieren versuchen. Mit Blick auf seine Vergangenheit wird das manchen Simbabwern aber als blanker Hohn erscheinen.
Im repressiven Apparat Mugabes kam Mnangagwa während Jahrzehnten eine zentrale Rolle zu. Als Geheimdienstchef soll das «Krokodil» in den achtziger Jahren unter anderem das Massaker in Matabeleland mitverantwortet haben, bei dem mehrere tausend Oppositionelle umgebracht wurden. Zudem soll er als Strippenzieher im Hintergrund für Gewaltakte im Umfeld der Wahlen 1990 und 2008 mitverantwortlich gewesen sein. Beobachter beschreiben ihn als umgänglichen Menschen, dessen Absichten aber oft schwer zu deuten sind. «Mnangagwa ist undurchschaubar und schnappt im richtigen Moment zu – sein Spitzname ist Programm», sagt Marx.

In Simbabwe ist die Lage unübersichtlich, nachdem das Militär offenbar die Macht von Langzeitherrscher Robert Mugabe übernommen hat. Obwohl in der Hauptstadt Harare Panzer und Truppen aufmarschieren, bleibt die Lage gespannt friedlich (16.11). (Bild: Imago)Mugabe ist Afrikas ältester Staatschef und regiert Simbabwe seit 37 Jahren mit harter Hand. Jetzt steht der Präsident unter Hausarrest. Das Bild entstand am 25. August 2017 in Harare. (Bild: Aaron Ufumeli / Epa)Die Militärführung erklärte, dass sie mit Mugabe über die nächsten Schritte spreche. Man werde die Bevölkerung informieren, sobald das Ergebnis der Gespräche feststehe. Staatliche Medien zeigten am Donnerstag Fotos von einem Treffen Mugabes mit Generalstabschef Constantino Chiwenga (16.11.) (Bild: Joseph Nyadzayo/ Reuters)Die Verunsicherung in der Bevölkerung zeigt sich auch in finanzieller Hinsicht. Vor den Banken in Harare bilden sich lange Warteschlangen (15.11).. (Bild: Philimon Bulawayo / Reuters)Unweit des Büros von Präsident Robert Mugabe in Harare nehmen Truppen Stellung (15.11.). Der 93-jährige Mugabe und seine Frau sollen unter Hausarrest stehen. (Bild: Tsvangirayi Mukwazhi / AP)Die Medien in Harare berichten vorsichtig optimistisch über die Entwicklung (15.11.). Zwar sei das Militär präsent, doch handle es sich nicht um einen Putsch. (Aaron Ufumeli / Epa). In den vergangenen Tagen hatte sich der Machtkampf zwischen dem 93-jährigen Herrscher Mugabe und dem Armeechef Constantino Chiwenga (Bild) zugespitzt. Chiwenga hatte Mugabe wegen der Entlassung des Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa kritisiert und ihn gewarnt, nicht noch mehr erfahrene Mitglieder der Regierungspartei abzusetzen. (Bild: Tsvangirayi Mukwazhi / AP)Der 75-jährige Mnangagwa war zuletzt mehrmals mit der 52-jährigen Präsidentengattin Grace Mugabe aneinander geraten, die das Präsidentenamt übernehmen will. Mugabe wird bereits seit längerer Zeit als mögliche Nachfolgerin für ihren Ehemann gehandelt. (Bild: Imago)Soldaten kontrollieren Fahrzeuge und fordern die Fahrzeuglenker in der Nähe des Parlaments zur Umkehr auf. Bereits in der Nacht sollen in Simbabwes Hauptstadt Schüsse gefallen sein (15.11).. (Bild: Keystone / AP)In einer Ansprache im staatlichen Fernsehen erklärte Generalmajor Sibusiso Moyo, es gehe darum, «eine sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche Krise zu überwinden» (15.11). (Bild: AP / Keystone)Bereits am Dienstag waren gepanzerte Fahrzeuge auf den Hauptstrassen ausserhalb der Hauptstadt beobachtet worden. Die Armee war in den vergangenen Jahrzehnten immer eine wichtige Stütze Mugabes, der das Land seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien im Jahr 1980 regiert. (Bild: Philimon Bulawayo / Reuters) Zum Artikel

In Simbabwe herrscht gespannte Ruhe nach dem «Soft-Putsch»

Bereits in jungen Jahren beteiligte er sich am Unabhängigkeitskampf im damaligen Rhodesien. Als 21-Jähriger verurteilte ihn ein Gericht in Zusammenhang mit einem Bombenanschlag zu zehnjähriger Haft. Im Gefängnis lernte er Mugabe kennen. Nach seiner Freilassung absolvierte er militärische Trainings in Ägypten und China. In Peking soll er sich intensiv mit Mao und dessen Ideologie auseinandergesetzt haben. Zurück in Simbabwe, gehörte er bald zu den engsten Getreuen seines einstigen Zellenkumpans Mugabe, zuerst im Untergrund, schliesslich als Minister. Aufgrund seiner Verbindungen zu den einstigen Unabhängigkeitskämpfern, zum Militär und zum Geheimdienst figurierte Mnangagwa in den letzten Jahren als wichtiges Bindeglied zwischen der Regierung und dem staatlichen Sicherheitsapparat. Der derzeitige Armeechef Constantine Chiwenga, der den jetzigen Aufstand militärisch anführt, ist ein enger, nun wohl entscheidender Verbündeter beim Aufstand.

Fortsetzung des Leids?

In Anbetracht von dessen Laufbahn erstaunt es kaum, dass die Aussicht auf einen Präsidenten Mnangagwa bei vielen nicht mit der Hoffnung auf Wandel verbunden ist, sondern mit der Befürchtung, die leidvolle Gegenwart werde sich noch über Jahre fortsetzen. In einer auf Wikileaks einsehbaren Depesche der amerikanischen Botschaft in Simbabwe schrieb ein Diplomat bereits im Jahr 2000: «Mnangagwa wird im ganzen Land gefürchtet. Er könnte zu einem noch repressiveren Führer als Mugabe werden.» Das sind trübe Aussichten für das gebeutelte Land. Am Mittwoch schrieb ein simbabwischer Kommentator auf Twitter: «Mugabe wird von dem Monster gefressen, das er selbst schuf.» Es bleibt zu hoffen, dass sich das Krokodil an der Macht nicht als solches entpuppt.

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Der mutmassliche Anführer des Aufstands in Simbabwe, der abgesetzte Vizepräsident Emmerson Mnangagwa, steht nicht für Veränderung, sondern für schreckliche Kontinuität.

Fabian Urech 17.11.2017, 10:35 Uhr

Emmerson Mnangagwa (l.) bei der Vereidigung zum Vizepräsidenten in Harare 2014; neben ihm Präsident Robert Mugabe und First Lady Grace. (Bild: Philimon Bulawayo / Reuters)

Robert Mugabe war ein skrupelloser Politiker – gegenüber seinen Gegnern, aber kaum weniger gegenüber seinen Verbündeten. Nicht selten setzte der Präsident über Nacht und ohne Vorwarnung mehrere Kabinettsmitglieder ab, erst im Oktober stellte er zehn Minister auf die Strasse. Kleinste Zweifel an Eignung und Loyalität schienen zu genügen, um Mugabes Missmut auf sich zu ziehen. Während seiner fast vier Jahrzehnte andauernden Herrschaft dürfte der heute 93-Jährige weit über hundert Minister entlassen haben.

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urf. Laut Medienberichten ist der unlängst abgesetzte Vizepräsident nach Simbabwe zurückgekehrt. Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Mnangagwas Umfeld, dass das «Krokodil» am Donnerstag nach Harare zurückgekehrt ist. Nach seiner Absetzung war Mnangagwa vor knapp zwei Wochen aus Simbabwe geflüchtet. Sein genauer Aufenthaltsort war bisher unbekannt, zahlreiche Beobachter waren aber davon ausgegangen, dass sich Mnangagwa im Nachbarstaat Südafrika aufhielt.

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«Sollte Mnangagwa an die Macht gelangen, ist nicht damit zu rechnen, dass es eine wesentliche Abkehr von Mugabes Politik gibt», sagt der deutsche Simbabwe-Experte und Mugabe-Biograf Christoph Marx. Der in Essen lehrende Historiker sieht in Mnangagwa, der in Simbabwe unter dem Spitznamen «Krokodil» bekannt ist, einen gewieften Taktiker, hält ihn aber für skrupellos und grausam. Zwar präsentiert sich der ehemalige Vizepräsident der internationalen Gemeinschaft gerne im Gewand des Pragmatikers und Reformers und dürfte sich auch in der aktuellen Situation als Politiker des Wandels zu präsentieren versuchen. Mit Blick auf seine Vergangenheit wird das manchen Simbabwern aber als blanker Hohn erscheinen.
Im repressiven Apparat Mugabes kam Mnangagwa während Jahrzehnten eine zentrale Rolle zu. Als Geheimdienstchef soll das «Krokodil» in den achtziger Jahren unter anderem das Massaker in Matabeleland mitverantwortet haben, bei dem mehrere tausend Oppositionelle umgebracht wurden. Zudem soll er als Strippenzieher im Hintergrund für Gewaltakte im Umfeld der Wahlen 1990 und 2008 mitverantwortlich gewesen sein. Beobachter beschreiben ihn als umgänglichen Menschen, dessen Absichten aber oft schwer zu deuten sind. «Mnangagwa ist undurchschaubar und schnappt im richtigen Moment zu – sein Spitzname ist Programm», sagt Marx.

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Fortsetzung des Leids?

In Anbetracht von dessen Laufbahn erstaunt es kaum, dass die Aussicht auf einen Präsidenten Mnangagwa bei vielen nicht mit der Hoffnung auf Wandel verbunden ist, sondern mit der Befürchtung, die leidvolle Gegenwart werde sich noch über Jahre fortsetzen. In einer auf Wikileaks einsehbaren Depesche der amerikanischen Botschaft in Simbabwe schrieb ein Diplomat bereits im Jahr 2000: «Mnangagwa wird im ganzen Land gefürchtet. Er könnte zu einem noch repressiveren Führer als Mugabe werden.» Das sind trübe Aussichten für das gebeutelte Land. Am Mittwoch schrieb ein simbabwischer Kommentator auf Twitter: «Mugabe wird von dem Monster gefressen, das er selbst schuf.» Es bleibt zu hoffen, dass sich das Krokodil an der Macht nicht als solches entpuppt.

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