Ijoma Mangolds Krokodil aus Ebenholz – Die Glocke online

Ijoma Mangolds Krokodil aus Ebenholz

Gütersloh (upk) – „Als Kind sind mir nett gemeinte Kommentare wie ,Solche Locken hätte ich auch gern‘ gehörig auf die Nerven gegangen“, sagt Ijoma Mangold. Gestolpert seien die Leute nicht nur über sein krauses Haar, sondern auch über seinen exotisch klingenden Vornamen.

Ijoma Mangold, LIteraturchef der „Zeit“, las in der Gütersloher Stadtbibliothek aus seiner Autobiographie „Das deutsche Krokodil“ vor.

Bild: Poetter

 Hätte er nicht doch den zweiten Vornamen „Alexander“ als Rufnamen wählen sollen? Darüber und über viele andere Dingen aus seiner Biografie gab Ijoma Mangold, seit 2009 Literaturchef der „Zeit“ und einer der bekanntesten Literaturkritiker des Landes, jetzt bei einer Lesung in der Gütersloher Stadtbibliothek beredt Auskunft.

Am Mittwoch stellte er dort auf Einladung der Buchhandlung Markus sein Buch „Das deutsche Krokodil“ vor. Den Titel lieferte ein Ebenholz-Krokodil, das in der Wohnung der Mangolds auf dem Fenstersims stand: Skulptur eines Kontinents, das Wahrzeichen Afrikas.

Der Roman liefert unterhaltsame autobiografische Erzählungen mit analytischem Tiefgang, die Reportage und Bildungsroman zugleich sind. Kindheit und Jugend am Rande Heidelbergs, in der es für den Sohn einer aus Schlesien vertriebenen Therapeutin und eines nigerianischen Medizinstudenten um zwei Grunderfahrungen geht: Eine dunklere Hautfarbe als andere zu haben und ohne Vater aufzuwachsen. Darunter gelitten hat Mangold offenbar nicht. Er habe sich weder in der Schule, einem altsprachlichen Gymnasium in Heidelberg, noch während seines Studiums in München diskriminiert gefühlt, so der 46-Jährige. Allerdings: „In Dossenheim war ich eine Singularität.“

 Zum Erfahrungsschatz des Autors gehört die Erkenntnis, dass sich der Mensch – trotz möglicher Scheuklappen und mancher Farbenblindheit– nicht nur über die Hautfarbe definiert. Mangold weiß: „Je höher man in der Hierarchie steigt, umso weniger spielt die Rasse eine Rolle.“ Der Tod der Mutter 2010, zu der Mangold eine enge emotionale Bindung hatte und der auch das Buch gewidmet ist, war Anlass, darüber zu schreiben, was es für ihn bedeutet hat, in den 1970er-Jahren in Deutschland aufgewachsen zu sein. Um Appetit auf sein Buch zu machen, hatte der Autor nicht nur einige Anekdoten im Gepäck, auch ausgewählte Szenen aus seiner Kindheit und Schulzeit „zwischen Märklin-Bahn und Theater-AG“ sorgten für Spannung.

Einen breiten Raum im Buch nehmen Passagen über seinen Vater ein. Ihn hat er erst mit 22 Jahren bei einem zweimonatigen Aufenthalt in Nigeria kennenlernt. Eine Reise, in der sich Mangold noch einmal nachhaltig mit seiner Identität auseinandersetzen musste. Er wollte in Afrika nicht nur nicht verheiratet oder gar umgetauft werden, er spürte auch – mit Sehnsucht nach einer „Rosenkavalier“-Aufführung im Herzen – wie dort in ihm zwei Kulturen so heftig aufeinanderprallten, dass sich gar kein Näheverhältnis zum Vater entwickeln konnte. Denn: Es wurde nicht wirklich miteinander geredet.

Ijoma Mangolds Krokodil aus Ebenholz

Gütersloh (upk) – „Als Kind sind mir nett gemeinte Kommentare wie ,Solche Locken hätte ich auch gern‘ gehörig auf die Nerven gegangen“, sagt Ijoma Mangold. Gestolpert seien die Leute nicht nur über sein krauses Haar, sondern auch über seinen exotisch klingenden Vornamen.

Ijoma Mangold, LIteraturchef der „Zeit“, las in der Gütersloher Stadtbibliothek aus seiner Autobiographie „Das deutsche Krokodil“ vor.

Bild: Poetter

 Hätte er nicht doch den zweiten Vornamen „Alexander“ als Rufnamen wählen sollen? Darüber und über viele andere Dingen aus seiner Biografie gab Ijoma Mangold, seit 2009 Literaturchef der „Zeit“ und einer der bekanntesten Literaturkritiker des Landes, jetzt bei einer Lesung in der Gütersloher Stadtbibliothek beredt Auskunft.

Am Mittwoch stellte er dort auf Einladung der Buchhandlung Markus sein Buch „Das deutsche Krokodil“ vor. Den Titel lieferte ein Ebenholz-Krokodil, das in der Wohnung der Mangolds auf dem Fenstersims stand: Skulptur eines Kontinents, das Wahrzeichen Afrikas.

Der Roman liefert unterhaltsame autobiografische Erzählungen mit analytischem Tiefgang, die Reportage und Bildungsroman zugleich sind. Kindheit und Jugend am Rande Heidelbergs, in der es für den Sohn einer aus Schlesien vertriebenen Therapeutin und eines nigerianischen Medizinstudenten um zwei Grunderfahrungen geht: Eine dunklere Hautfarbe als andere zu haben und ohne Vater aufzuwachsen. Darunter gelitten hat Mangold offenbar nicht. Er habe sich weder in der Schule, einem altsprachlichen Gymnasium in Heidelberg, noch während seines Studiums in München diskriminiert gefühlt, so der 46-Jährige. Allerdings: „In Dossenheim war ich eine Singularität.“

 Zum Erfahrungsschatz des Autors gehört die Erkenntnis, dass sich der Mensch – trotz möglicher Scheuklappen und mancher Farbenblindheit– nicht nur über die Hautfarbe definiert. Mangold weiß: „Je höher man in der Hierarchie steigt, umso weniger spielt die Rasse eine Rolle.“ Der Tod der Mutter 2010, zu der Mangold eine enge emotionale Bindung hatte und der auch das Buch gewidmet ist, war Anlass, darüber zu schreiben, was es für ihn bedeutet hat, in den 1970er-Jahren in Deutschland aufgewachsen zu sein. Um Appetit auf sein Buch zu machen, hatte der Autor nicht nur einige Anekdoten im Gepäck, auch ausgewählte Szenen aus seiner Kindheit und Schulzeit „zwischen Märklin-Bahn und Theater-AG“ sorgten für Spannung.

Einen breiten Raum im Buch nehmen Passagen über seinen Vater ein. Ihn hat er erst mit 22 Jahren bei einem zweimonatigen Aufenthalt in Nigeria kennenlernt. Eine Reise, in der sich Mangold noch einmal nachhaltig mit seiner Identität auseinandersetzen musste. Er wollte in Afrika nicht nur nicht verheiratet oder gar umgetauft werden, er spürte auch – mit Sehnsucht nach einer „Rosenkavalier“-Aufführung im Herzen – wie dort in ihm zwei Kulturen so heftig aufeinanderprallten, dass sich gar kein Näheverhältnis zum Vater entwickeln konnte. Denn: Es wurde nicht wirklich miteinander geredet.

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